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Warum Leerstand melden?

Diese Initiative des Kreisverbands Fürth der Partei Die Linke leitet Ihre Meldungen an die zuständige bayerische Behörde weiter. Gemeinsam gegen Wohnungsnot und Immobilienspekulation!

Was ist Zweckentfremdung von Wohnraum?

Zweckentfremdung liegt vor, wenn:

  • Wohnraum beruflich oder gewerblich genutzt wird
  • Wohnraum für mehr als 8 Wochen im Jahr als Ferienwohnung genutzt wird
  • Wohnraum abgebrochen (abgerissen) wird
  • Wohnraum länger als drei Monate leer steht

Beispiel für Leerstand in Fürth

Die ehemalige Möbelfabrik

Ehemalige Möbelfabrik in Fürth

Leerstand seit: 2019
Fläche: ca. 1.800 m²
Eigentümer: Immobilien Concept GmbH

Ehemaliges Fabrikgebäude unter Denkmalschutz. Der Industriegebäudekomplex besteht aus einem 4-stöckigen Vorderhaus, einem großen Innenhof, einem Fabrikkamin und einem Rückgebäude mit 3 Etagen. Einige Anbauten wurden inzwischen entfernt.

Um die Jahrtausendwende erwarben Lothar Hütterer und seine Frau den Gebäudekomplex. Unter ihrer Eigentümerschaft wurden die ca. 1800 m² Nutzfläche zu Wohnungen umgebaut und auch gewerblich genutzt. Das Ehepaar zog selbst ein und ließ den 12 Mietparteien freie Hand, ihre Wohnungen zu gestalten – allerdings als gewerblich vermietete Flächen.

Die Mieter*innen tätigten einige Investitionen auf eigene Kosten, und so entstand eine enge Mieter*innen-Gemeinschaft.

Innenhof oder Gebäudeansicht der Möbelfabrik

2018 fanden Mieter*innen das Haus auf einem Internetportal zum Verkauf angeboten – mit illegal angefertigten Fotos aus den privaten Wohnungen. Die Mieter*innen gründeten daraufhin den Verein „Franken9 e.V.“, dessen Ziele sich an einer sozial verträglichen Stadtentwicklung orientieren: Die Nutzung des Areals zu Wohnzwecken, aber auch die Möglichkeit für künstlerische, kulturelle, handwerkliche und sportliche Aktivitäten soll unbedingt erhalten bleiben.

Nachdem sich in den letzten Jahren im Zuge der Wohnraumverdichtung und Gewinnmaximierung auf dem Immobilienmarkt die Wohnungslage auch in der direkten Nachbarschaft zu riesigen Wohnsilos verändert hat, stand zu befürchten, dass dieses Areal zu maximalem Profit an einen Bauträger verkauft und abgerissen wird.

Die Mitglieder des Vereins begannen, den Erwerb der Immobilie mit dem Konzept des Miethäuser-Syndikats zu planen. Ihr Wunsch: Die Stadt sollte ihr Vorkaufsrecht nutzen, das Grundstück erwerben und es als Erbpacht an eine neue Gesellschaft (mithilfe des Miethäuser-Syndikats) vergeben, die das Gebäude erwerben, sanieren und bewirtschaften würde.

Leerstehendes Gebäude – aktuelle Ansicht

Die Stadt Fürth hatte letztlich kein Interesse an dem Konzept und gab fadenscheinige Gründe an, warum sie das Vorkaufsrecht ablehnte. Die Mieter*innen-Gemeinschaft wiederum hatte nicht die Mittel, den geforderten Preis allein aufzubringen.

Verkauft wurde der Gebäudekomplex schließlich an die Immobilien Concept GmbH mit Sitz in Spardorf, die mit der ZIB GmbH (Hauptsitz Erlangen) in Verbindung stehen soll.

Nach dem Verkauf begannen Anfang 2019 rasch einige Schikanen: Der Aufzug wurde gesperrt, das Wasser im Hof abgestellt, die Tür zum Hof versperrt; die Käufer trieben mit Erfolg einen Keil in die Gemeinschaft, indem sie unterschiedliche Abfindungen anboten. Die Kündigungen folgten – doch die Mieter*innen hatten keine Chance, sich gerichtlich zu wehren, denn mit einem gewerblichen Mietvertrag genießt man keinen Schutz.

Mitte 2019 war das Gebäude vollständig entmietet. Seitdem steht es leer.

„Bezahlbare Mieten statt Immobilienspekulation und Leerstand – Wohnen ist ein Menschenrecht!“

Quelle: linke-gegen-leerstand.de